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Friday
11
MAY

Das Herzsutra – Alltag und spirituelle Transformation

19:00
16:00
Akazienzendo Berlin
Event organized by Akazienzendo Berlin

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Ein Wochenendseminar mit Lene Handberg, Tarab Institut und Bernd Bender, Akazienzendo

Das Herzsutra enthält die zentralen Lehren des Vajrayana (Tibetischer Buddhismus) und des Zen.

Kurz und bündig: Das Herzsutra lehrt Verbundenheit. In Sanskrit wird dies pratityasamutpada und in Tibetisch tendrel genannt. Gerade in der heutigen Zeit erscheint es äußerst wichtig zu sein, unsere tiefe Verbundenheit mit Anderen und allen Dingen zu erkennen. Die Globalisierung hat aus der Welt eine „globale Gemeinschaft“ gemacht und zeigt uns, dass alles verbunden ist – mit allem. Jedoch wird dieser Erfahrung der Verbundenheit sowohl auf der Ebene der Einzelnen und der Gemeinschaft zunehmend mit Angst und Zurückweisung begegnet: Dies geschieht zum Beispiel in der Form von populistischer Politik, die darauf abzielt, das „Andere“ daran zu hindern, an dem, was als „unsere“ Existenz wahrgenommen wird, teilzunehmen. Und so stehen wir vor enormen Problemen – Klimawandel, ein sich vergrößernder Abstand zwischen den sehr Armen und sehr Reichen, eine große Zahl an Migranten – und es scheinen keine funktionsfähigen Lösungen in Sicht zu sein.

Hier haben die Lehren des Herzsutras über Weisheit und Mitgefühl eine große Relevanz. Das Herzsutra zeigt uns, dass wir so lange Leiden für uns und andere erschaffen, wie wir die Welt aus der Perspektive von „ich“ und „sie“ sehen. Die befreiende Vision des Herzsutras gründet sich auf die Einsicht, dass diese Form der dualistischen Wahrnehmung nicht der objektiven Wahrheit entspricht, sondern der Funktion des menschlichen Bewusstseins entspringt.

Und da es eine Funktion des menschlichen Bewusstseins ist, kann diese Wahrnehmung verändert werden. Als Menschen können wir uns von der gewöhnlichen, auf einer stark dualistischen Konditionierung basierenden Wahrnehmung hin zu einer Erfahrung unserer angeborenen „Einheitsnatur“, unserer Verbundenheit mit allen Phänomenen – bzw. präziser ausgedrückt der Verbundenheit aller Phänomene – entwickeln.

Das Herzsutra ist daher eine sehr prägnante, praktische Einführung in den Buddhistischen Pfad. Er führt uns von einer stark dualistischen Identifikation hin zu einem offenen, fluiden und kreativen Gewahrsein der Einheitsnatur aller Existenz. Diesem Pfad zu folgen, bedeutet eine Forschungsreise zu unternehmen. Sie führt uns tiefer und tiefer in unsere Erfahrung, von der groben dualistischen Wahrnehmung von uns und anderen zu dem, was im Zen als „Spiegelweisheit“ bezeichnet wird: Eine angeborene Intelligenz, die die Verbundenheit aller Dinge direkt wahrnimmt.

Das Sutra lädt uns ein, „die Realität nicht festzuschreiben, nicht zu fixieren“, weder in Bezug auf uns selbst noch in Bezug auf andere; dies wird durch das „kein“ ausgedrückt, das an vielen Stellen im Text auftaucht. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Sutra nicht lehrt, dass Phänomene nicht existieren, wenn es „keine Augen, keine Ohren, keine Nase, keine Zunge, kein Körper, kein Bewusstsein“ heißt. Vielmehr existieren sie als verbundene, wechselbezügliche Ereignisse. Für unsere persönliche Entwicklung ist es notwendig, dass wir verstehen, dass „nichts in oder aus sich selbst existiert, sondern immer in Wechselbezüglichkeit“.

Solange wir Phänomene in ihrer scheinbaren Trennung fixieren, leiden wir aufgrund von Furcht, Stress, Gefühlen der Unzulänglichkeit und des Mangels. Die Erkenntnis unserer Einheitsnatur, andererseits, resultiert in der Erfahrung von Ganzheit, Freude und Erfüllung. Diese Erkenntnis macht uns auch zu mitfühlenderen Wesen, da sie uns erlaubt, direkt zu erkennen, worin die vielen Ausdrucksformen menschlichen Leidens begründet sind: Dem Gefühl, dass wir von unserer innersten Natur getrennt sind.

Lene und Bernd stellen ihr jeweiliges Verständnis des Herzsutras vor, indem sie sich dessen zentralen Punkt, nichts zu fixieren, zu Herzen nehmen. Dabei lehren sie aus den Perspektiven zweier bedeutender Traditionen: Vajrayana (tibetischer Buddhismus) und Zen. Vielleicht unterscheiden sich ihre Einsichten, vielleicht sind sie auch gleich. Jedenfalls soll dies einen Dialog mit den Teilnehmer über die Bedeutung des Textes und wie diese Lehren im modernen Leben angewandt werden können initiieren.

Während des Wochenendes werden wir den Text des Sutras genau betrachten und uns seinen Sinn erschließen Vajrayana und Zen bieten viele Praktiken an, mit deren Hilfe Weisheit und Mitgefühl verkörpert werden können. Wir werden einige davon praktizieren, um so den tiefen transformativen Prozess einzuleiten, der es uns ermöglicht, uns aus unserer verfangenen dualistischen Sicht hin zu einer verkörperten Erfahrung der Einheitsnatur allen Lebens zu entwickeln.

Das Seminar ist für alle offen –Meditationserfahrung und Vorwissen in buddhistischen Lehren werden nicht benötigt. Bernd wird auf Deutsch sprechen und Lene wird auf Englisch sprechen und ins Deutsche übersetzt werden.