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Thursday
19
APR

Vortragsabend: "Tina Haim-Wentscher und die Nofretete"

18:00
21:00
Georg Kolbe Museum, Berlin
Event organized by Georg Kolbe Museum, Berlin

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Ein Abend mit zwei Vorträgen:

Dr. Martina Dlugaiczyk: Ohne Gewaltmäßigkeit modern – Tina Haim Wentscher. Die Wieder/Entdeckung einer Berliner Bildhauerin

Thomas Schelper: Die Entstehungsgeschichte der ersten Nofreteterepliken von Tina Haim in der Gipsformerei und den Reproduktionen der heutigen Zeit.

Kostenbeitrag: 2 Euro zzgl. Museumseintritt 7/5 Euro (ermäßigt). Anmeldung erbeten an info@georg-kolbe-museum.de oder telefonisch (030) 304 21 44.

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Vortrag: "Ohne Gewaltmäßigkeit modern – Tina Haim-Wentscher
Die Wieder/Entdeckung einer Berliner Bildhauerin"

Tina Haim-Wentscher (1887-1974) gehörte in den 1910er und 20er Jahren zur festen Größe in der Berliner Bildhauerinnen-Szene: Ihr kam nicht nur die Ehre zu, 1913 eine händisch vermessene Replik der Nofretete Büste anfertigen zu dürfen, sondern sie feierte auch frühzeitig mit ihren eigenen Werken in Holz, Stein, Wachs und Bronze große Erfolge.
So erwarb etwa James Simon für seine exquisite Sammlung fünf ihrer Werke, Käthe Kollwitz entschied, nur ihr für eine Porträtbüste Modell sitzen zu wollen und Theodor Däublers imposante Erscheinung reduzierte sie in der Form auf das Äußerste. Dieser Reigen ließe sich mühelos fortsetzen, denn Stars und Sternchen der Berliner Theater-, Literatur- und Tanzszene – darunter Tilla Durieux – gehörten ebenso zu ihren Auftraggebern wie eine Gruppe Frauenrechtlerinnen. Auch außerhalb von Berlin fand sie eine große Anhängerschaft – etwa bei Max Warburg in Hamburg.
Aus jüdischer Familie stammend, kam sie in den 30er Jahre nicht von einer Überseereise nach Deutschland zurück und erhielt nach Aufenthalten in Indonesien, China, Japan u.a. 1946 die australische Staatsbürgerschaft. Jede ihrer Lebens- und Reisestation bot starke, unmittelbare Erlebnisse und Eindrücke, die sich in ihrem Werk niederschlugen. Während in Australien seit 1974 der Tina-Wentcher-Prize für Skulptur vergeben wird, ist die Bildhauerin in Deutschland noch eine nahezu unbekannte Größe, deren Wieder/Entdeckung jedoch Großes verspricht.

Dr. Martina Dlugaiczyk – wiss. Mitarbeiterin im BGV Bistum Münster, Abt. Bauwesen/Kunst – forscht insbesondere in den Themenfeldern Sammlungskulturen des späten 19. und frühen 20. Jhds.; Skulptur der klassischen Moderne; Original – Kopie – Originalkopie; Produktion von Wissen –Wissen(schaft)skommunikation; Niederländische Kunst- und Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts.



Vortrag: "Die Entstehungsgeschichte der ersten Nofreteterepliken von Tina Haim in der Gipsformerei und den Reproduktionen der heutigen Zeit"

Die Fertigung der Nofretetenrepliken war schon immer mit den Möglichkeiten ihrer Zeit verbunden. Eine direkte Abformung wurde aus konservatorischen Gründen nie durchgeführt. So modellierte Tina Haim das erste Tonmodell um eine Modellvorlage zu erhalten, damit die ersten Nofretetenrepliken gefertigt werden konnten.
Das aktuelle Modell wurde mit einem Streifenlichtscanner gefertigt. In den letzten 100 Jahren wurden verschiedene Formtypen für die Anfertigung der Repliken benutzt. Die Gipsstückform, die Leimform und die Silikonform. Eine große Herausforderung ist die Bemalung der Nofretete. Durch wissenschaftliche Farbanalysen des Rathgen-Forschungslabors konnte die Farbfassung der Nofretetenreplik verbessert werden.

Thomas Schelper, Jahrgang 1963, ist seit 1989 Gipskunstformer und ist ehemaliger Leiter der Werkstatt der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin. Sein Interesse an der Erforschung von Abformtechniken wird begleitet von eigenen künstlerischen Arbeiten sowie Abformungen von Menschen und öffentlichen Räumen. Er leitete Abformkurse an der Akademie der Staatlichen Museen zu Berlin, der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, der Universität der Künste, Berlin, und dem Sitterwerk, St. Gallen/Schweiz. Er kuratierte die Ausstellung: Wilhelm Füssel – Charlottenburger Bronzegießer, im Georg Kolbe Museum, Berlin, und im Kunstgussmuseum Lauchhammer. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises des Georg Kolbe Museum e.V.