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Thursday
12
APR

Die kulturelle Bedeutung der Raumfahrt

20:00
21:30
HFU Studium Generale
Event organized by HFU Studium Generale

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Der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Blome "Die kulturelle Bedeutung der Raumfahrt" findet am Campus Furtwangen in I 0.17 statt.

Zum Vortrag:
Die Reise von Menschen zum Mond und die Positionierung von astronomischen Teleskopen im Weltraum ist nicht nur eine technische Spitzenleistung, sondern auch die Konsequenz der mathematischen Naturwissenschaft. Die mathematische Naturwissenschaft ist der harte Kern der Kultur des neuzeitlichen Europas - Resultat von Renaissance und Aufklärung.

Die Raumfahrttechnik des 20. Jahrhunderts ermöglichte die Erkundung der Planeten und die Expeditionen zum Mond der Erde. Zwar wurde der Fortschritt der Weltraumfahrt wesentlich durch strategische Interessen bestimmt, aber sie hat doch tiefere Wurzeln und ist eingebettet in den Gesamtzusammenhang von Kultur und Wissenschaft. Astronomie und Weltraumforschung haben ihre Wurzel in dem Bestreben, die Stellung des Menschen in der räumlichen Weite und dem zeitlichen Horizont der Geschichte der Natur zu verstehen.

Wir möchten wissen was jenseits der Grenze unseres Wissens ist. Dieses Verlangen kennzeichnet den Menschen – so formulierte es der Physiker und Naturphilosoph Carl Friedrich von Weizsäcker.

Der Impetus zur Erforschung dessen, was sich jenseits der aktuellen Grenzen unseres Wissens befindet, durch präzise Beobachtung und sorgfältige Experimente, durch authentische Erfahrung und nicht nur mit Roboteraugen, erwächst aus der Weltoffenheit die sich in der Neuzeit ab dem 16. Jahrhundert herausbildet. Weltraumtechnik ist Technologie – auf den ersten Blick wie jede andere auch. Dennoch hat sie von ihrer ursprünglichen Motivation, ihrer Ideengeschichte und der gedanklichen Vorwegnahme von Realität in der „Science Fiction“ Literatur eine tief in der menschlichen Neugier verhaftete Komponente. Aber technische Realisierung von Flugträumen erwachsen erst aus der mathematischen Naturwissenschaft und entfalten sich mit ihr. Nach der intensiven Erkundung der Planeten unseres Sonnensytems sind in Zukunft ergänzend bemannte Expeditionen ein logische Folge, aber die interplanetare Raumfahrt hat auch die Schwierigkeit menschlicher Existenz in einer für den Menschen lebensfeindlichen kosmischen Umwelt offenbart. Der Weg in den Weltraum ist nicht einfach eine Fortsetzung der Entdeckungsfahrten auf dem Planeten Erde, weil der Mensch nicht kosmosfähig ist. Zwar war der Mindestaufwand für den Menschen der Kosmos in seiner raumzeitlichen Erstreckung und jetzigen Gestalt, aber seiner Befahrung setzen die Naturgesetze enge Grenzen. Exkursionen zu den Planeten jenseits von Mars oder gar Expeditionen in den interstellaren Raum zu Planeten bei anderen Sternen sind auf absehbare Zukunft unmöglich. Aber Weltraumforschung und Weltraumnutzung sind längst Teil unserer technisch geprägten Kultur und von Satelliten getragenen Teleskope werden unser Bild vom Kosmos, auf der Grundlage der uns bekannten Naturgesetze, auch in Zukunft verfeinern und vertiefen.

Zur Person:
Hans-Joachim Blome studierte an den Universitäten Clausthal, Bonn und Köln Physik und Astronomie und promovierte an der Universität zu Köln in theoretischer Physik. Von 1983 bis 1987 arbeitete er am Institut für Astrophysik der Universität Bonn. Ab dem Jahr 1988 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig und weiterhin Mitglied der Kosmologie-Arbeitsgruppe am Institut für Astrophysik in Bonn. Im Rahmen der Tätigkeit beim DLR Mitarbeit in der Projektleitung Spacelab-Projekt D-2 Mission, einem NASA/DLR Projekt (1988-1994) und 1995 Forschungssemester bei der NASA und am Institute for Advanced Space Studies in Houston. Von 1996 bis 1998 war er Mitglied der strategischen Planungsgruppe für Extraterrestrische Forschung im DLR und war 1997 abgeordnet in das Raumfahrt-Referat im Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) in Bonn und im Jahr 1998 im Auftrag des DLR einer der deutschen Delegierten im Science Program Committee der European Space Agency (ESA). Seit 1999 lehrt und forscht er als Professor für die Fächer Physik und Himmelsmechanik an der Fachhochschule Aachen im Fachbereich der Raumfahrttechnik. Seine Arbeitsgebiete sind die Gravitationsphysik, Raumflugdynamik und Kosmologie. Er ist Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Astronomischen Gesellschaft und der Carl Friedrich von Weizsäcker Gesellschaft Wissen und Verantwortung.