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Wednesday
18
APR

„Kunstschutz“ im Vernichtungskrieg – Zum Umgang mit Kulturgütern

17:00
18:00

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Eine Veranstaltung im Rahmen der #Ringvorlesung des #GWZO im #Sommersemester2018.

Die Ringvorlesung steht unter dem Thema: Sieger auf Beutezug oder: Wem gehört die Kunst? Kunst und Kultur als Kriegsbeute in der Geschichte des östlichen Europa.

Heutige Referentin: Dr. Corinna Kuhr-Korolev (Historikerin, Berlin)

Sowjetische Museen erlitten im Zweiten Weltkrieg in großem Umfang Zerstörungen und Verluste. Es eint die Kriegsgeschichte der Schlossmuseen Carskoe Selo, Pavlovsk, Peterhof und Gatčina sowie der Sammlungen von Novgorod und Pskov, dass sich diese Orte alle im Bereich der Heeresgruppe Nord unter militärischer Verwaltung befanden. Deshalb rückt die Wehrmacht als Akteur besonders in den Vordergrund. Sie trug die Verantwortung für den Abtransport solch spektakulärer Kunstwerke wie des Neptunbrunnens aus Peterhof und des Bernsteinzimmers aus Carskoe Selo. Dabei setzte sich allerdings die schon seit dem Frankreichfeldzug von starker Konkurrenz behaftete Zusammenarbeit mit anderen NS-Organisationen, wie dem Sonderkommando Künsberg oder dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, fort.

Der systematische Raub von Kunst und Kulturgütern durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges hat spätestens seit dem spektakulären Fall #Gurlitt an medialer Aufmerksamkeit gewonnen. Die NS-Raubkunst ist ein besonders drastisches Beispiel eines allerdings viel älteren Phänomens, das im Laufe der Zeit einem Bedeutungswandel unterlag: die #Beutekunst. Wertvolle Kunst- und Kulturgüter weckten schon immer Begehrlichkeiten, ihre Erbeutung im Krieg oder einem kriegsähnlichen Zustand betrachteten die Sieger als ihr Privileg, ein nicht unumstrittenes. Es diente der Staatsbereicherung und/oder der Machtdemonstration, häufig darüber hinaus der Demütigung des Gegners. Plünderungen durch die Schweden oder Napoleon gehören zu den spektakulärsten Beispielen der Neuzeit. Blickt man in der Geschichte aber weiter zurück, stellt sich beispielsweise die Frage: Wem gehört der Hl. Adalbert, dessen Reliquien 1039 von Gniezno nach Prag entführt wurden? Wie wurde in Gniezno dieser Verlust ausgeglichen? Oder welche Bedeutung hatte beziehungsweise hat bis heute das im Jahre 1473 erbeutete „Jüngste Gericht“ Hans Memlings für die Stadt Danzig?

Die Fragen nach Motiven, Verlauf und Folgen interessieren hier genauso wie rechtliche Regelungen. Denn schon lange vor der Haager Konvention oder vor der Washingtoner Erklärung war die Rückgabe geraubter Kulturgüter der Gegenstand zum Beispiel des Friedensvertrags von Oliva (1660).

Die Vorlesungsreihe möchte Beutekunst im Verlauf der Jahrhunderte und aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen (Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Archäologie, Rechtsgeschichte) betrachten und somit unterschiedlichen Aspekten dieses kultursoziologischen Phänomens im östlichen Europa nachspüren.

Zum Flyer der Veranstaltungsreihe: http://bit.ly/2F87CtM