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APR

Flimmern: Kino zum Thema politische Emotionen im Warburg Haus

19:00
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Moin Moin Flimmerer,

euer mobiles Kino lädt euch auch dieses Jahr gemeinsam mit dem Warburg-Haus zu zwei besonderen Abenden in den historischen, elliptischen Saal des Hauses.

Das Warburg-Haus fragt 2018 mit seinem Schwerpunktthema nach der politischen Bedeutung von Emotionen. Angst, Sorge, Empörung oder Verachtung, aber auch Vertrauen, Hoffnung, Mitleid, Empathie oder Sympathie werden momentan als politische Kräfte verstärkt diskutiert. Über die zentrale Rolle von Emotionen in politischen Prozessen scheint man sich zwar einig zu sein: Sie gelten als Movens sowohl von Protestbewegungen als auch als Faktor in demokratischen Meinungsbildungsprozessen, sie scheinen den Zusammenhalt politischer Gebilde zu garantieren, sie sind verantwortlich für massenpsychologische Phänomene wie Umsturz und Revolution oder für das Kippen dieser Bewegungen in Terror und Schrecken. Die Einschätzungen des Phänomens divergieren indes beträchtlich. Während die einen den Mangel an ›politischer Leidenschaft‹ bedauern, warnen andere vor Hysterie, vor ›Wutbürgern‹ und vor einer emotionsgesteuerten Politik. Sind ›Gefühlspolitiken‹ also legitim oder wäre vielmehr generelle Skepsis gegenüber emotionalen Überwältigungsstrategien geboten? Sollen und können politische Entscheidungen überhaupt rational getroffen werden, oder sind Emotionen aus der Politik schlicht nicht wegzudenken?

Dazu inszenieren wir den folgenden Film der Pariser Künstlerin Natacha Nisic, eine „Symphonie im Sinne Aby Warburgs“, der auch zum Teil hier im Warburg-Haus gedreht wurde.

Der Film: "Eher sterben als sterben (Plutôt mourir que mourir)" Natacha Nisic, FR 2017, 66 min

Der Film wurde vom Französischen Kulturministerium in Auftrag gegeben, unter Federführung des Centre National des Arts Plastiques, aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums des Endes des I. Weltkrieges 2018.
In ihrem Film greift Natacha Nisic sowohl die Indianer Nordamerikas und ihren Einsatz im I. Weltkrieg, als auch Warburgs Reaktion auf den I. Weltkrieg und seinen Vortrag über die Kultur der Pueblo-Indianer in Nordamerika auf, den er 1923, knapp dreißig Jahre nach seiner eigenen Amerika-Reise 1895/96, in der Heilanstalt Bellevue des bekannten Psychiaters Ludwig Binswanger in Kreuzlingen hielt. Warburg war dort zwischen April 1921 und August 1924 Patient. Insbesondere Hopi kämpften in den alliierten Truppen, für die sie sich überwiegend freiwillig meldeten, 1917 und 1918 in der Picardie und an der Somme. Über den Klinik-Alltag des Patienten Warburg, auf den der I. Weltkrieg so nachhaltig gewirkt hatte, wiederum gibt es detaillierte Notizen Ludwig Binswangers. Der Film nimmt den erzählerischen Faden auf, indem er schildert, wie Warburg sich bei einer Halluzination bei den Hopi-Indianern wiederfindet.
Der Kunsthistoriker Aby Warburg (1866-1929) ist Erbe einer jüdischen Bankiersfamilie aus Deutschland. Er hat seinen Teil des Erbes jedoch bei seinem Bruder gegen das Versprechen eingetauscht, alle Bücher zu bekommen, die er benötigt, und so die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg begründet. Für die Sammlung von 60.000 Büchern, unzähligen Broschüren, Zeitschriften sowie einer großen Menge an Fotos und Zeitungsausschnitten zum Ersten Weltkrieg wurde 1925/26 das Warburg-Haus in der Heilwigstraße 116 in Hamburg-Eppendorf gebaut. Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 verfällt er in eine schwere Psychose, woraufhin er in Behandlung kommt.
Während der langen Kriegsmonate sammelte Warburgs Bibliothek Tausende Bilder und Texte, anhand derer er die ideologischen Grundlagen eines todbringenden Krieges zu begreifen versucht – und darüber den Verstand verliert. 1933 wurde die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg nach London verschifft, um sie vor den Nazis zu retten. Als Warburg Institute ist sie dort seit 1944 Teil der University of London und verwahrt neben der Bibliothek und den Archiven Warburgs auch seine Kriegstagebücher.
Für den Film realisierte Natacha Nisic die bis heute umfangreichsten Dreharbeiten im Warburg Institute, London. Es ist das erste Mal, dass im Warburg Institute und seinem Archiv so umfangreich gefilmt wurde. Teile des Films entstanden auch im Warburg-Haus Hamburg, dessen berühmter elliptischer Lesesaal einen zentralen Platz im Film einnimmt.

Die Filmemacherin wird am Montag, den 16. April vor Ort sein.
Im Anschluss an die Projektion führt Dr. Susanne Gottlob (Hamburg) ein Gespräch mit Natacha Nisic über ihren Film und Warburg. Danach besteht Gelegenheit zu Fragen und Diskussion. Susanne Gottlob arbeitet als Psychoanalytikerin, derzeitige Recherchen und Texte befassen sich u.a. mit Aby M. Warburg, Schrift, Affekt und Psychose, Schizo-graphie/phrenie; bis Januar 2017 war sie Redakteurin der Zeitschrift RISS Zeitschrift für Psychoanalyse. Freud-Lacan, sie hat den Anstoß zum RISS #84 Flucht. Heimsuchung der Psychoanalyse durchs Politische gegeben

Termine:
Montag 16. April 2018
Einlass 19:00 Filmbeginn 20:00 – Englische Originalversion – Einführung und Gespräch Deutsch – Natacha Nisic (Paris) im Gespräch mit Susanne Gottlob (Hamburg)
Dienstag 17. April 2018
Einlass 19:00 Filmbeginn 20:00 – Deutsche Synchronfassung

ACHTUNG: Diesmal gibt es nur passende Getränke zum Film und keine Speisen

Reservierungen unter: reservierungen@flexiblesflimmern.de
Kino 10 EUR

Zur Künstlerin Natacha Nisic:
Natacha Nisic lebt und arbeitet in Paris. Sie wurde 1967 geboren und studierte an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris, der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und an der Fémis Paris. Sie erforscht die unsichtbare, oft magische Beziehung zwischen Bildern, Worten, Interpretationen, Symbol und Ritual und verwebt Links zwischen Erzählungen, Berichten von Vergangenheit und Gegenwart, um die Komplexität der Beziehungen zwischen Offensichtlichem, Verborgenen und dem Substrat der Erinnerung zwischen ihrem dokumentarischen Wert und Verlust zu enthüllen.

Ihre Arbeiten hinterfragen den Status von Bildern und Repräsentation durch den Gebrauch von verschiedenen Medien: Super 8, 16 mm, Video, Fotografie und Zeichnung. 2001 und 2016 hatte sie eine Residenz in der Villa Kujoyama und 2007 war sie Stipendiatin der Villa Medici in Rom. Sie hat in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Frankreich, Japan, Italien, Deutschland, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Korea und Argentinien ausgestellt, darunter im MACRO Rom und im MNAM Centre Georges Pompidou Paris. Wichtige Einzelausstellungen hatte sie u.a. im Le plateau – FRAC Île‑de‑France, Paris (2003), Musée Zadkine, Paris (2005), im Atelier Hermès in Seoul (2012, mit Park Chan-Kyong) und im Jeu de Paume, Paris (2013/14). Im Mémorial de la Shoah, Paris, sind ihr Film La porte de Birkenau und eine raumgreifende Installation von Photographien, Le Mémorial des enfants, zu sehen, die sie 2005 für die Dauerausstellung realisierte.

Weitere Informationen unter: http://natachanisic.net/

Zum Ort: Warburg-Haus Heilwigstr. 116, 20249 Hamburg

Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg in der Heilwigstraße 116 (2 Minuten entfernt von der U-Bahn Kellinghusenstr.) wurde 1925-1926 nach Plänen des jungen Architekten Gerhard Langmaack für Aby Warburgs Bibliothek errichtet, die zu einem veritablen international renommierten Forschungsinstitut angewachsen war. Im Alter von 13 Jahren hatte Aby Warburg seinem ein Jahr jüngeren Bruder Max die künftige Leitung der familieneigenen Bank überlassen für die Zusage, Aby sämtliche gewünschte Buchankäufe zu finanzieren. Daraus entstand eine öffentliche Institution mit einem Bestand von 60.000 Büchern. Angesichts der Bedrohung durch den Nationalsozialismus emigrierte die jüdische Institution 1933 mit allen Beständen und den Mitarbeitern nach London, wo sie seit 1944 bis heute als Warburg Institute Teil der University of London ist.

Hinter der an die großen öffentlichen Bauten Fritz Schumachers erinnernden Backsteinfassade bildet der imposante elliptische, in den Garten reichenden Lese- und Vortragssaal das Zentrum des Baus. Warburg bezeichnete ihn als „Arena der Wissenschaften“. Da sich nur ein kleiner Teil der Bibliothek im Lesesaal aufstellen ließ, sorgte modernste Technik dafür, dass die Bücher aus dem Magazintrakt über eine Nische in den Lesesaal gelangten, ohne die Bibliotheksbesucher bei ihrer geistigen Arbeit zu stören. Auch bei Vorträgen kam modernstes Gerät zum Einsatz, Bildprojektion hat also Tradition im Warburg-Haus.

Seine Forschungen trieben Warburg weit über die Kunstgeschichte hinaus. Von den Malern der italienischen Frührenaissance reichte sein Forschungsgebiet zu den indianischen Ritualen im Mittelamerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts, vom magischen Kult bis zur modernen Technik. Warburg arbeitete über Disziplinen hinweg und ordnete seine Bibliothek so, dass die Anordnung der Bücher assoziativ seine besondere Forschungs- und Denkwege nachzeichnete.

Über dem Eingang zur Kulturwissenschaftlichen Bibliothek ist in griechischen Lettern das Wort „Mnemosyne“ eingemeißelt. Mnemosyne, die Göttin der Erinnerung und Mutter der neun Musen, markiert auch Aby Warburgs Zugang zur Kunstgeschichte. Sein Lebenswerk war dem Versuch gewidmet, den Einfluss der Antike auf die Neuzeit - bis hin zur Gegenwart - als Effekt kultureller Erinnerungsprozesse zu beschreiben. Bilder, so die Idee, werden nicht nur bewusst weitergegeben und angeeignet, sondern können auch unterschwellig im kulturellen Gedächtnis wirken, um irgendwann als aktuelle Bilder wieder an die Oberfläche der Wahrnehmung zu gelangen.

www.warburg-haus.de


Stöbert schön in eurem Leben

Holger

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Venue

Warburg-Haus